Lesetipp Januar 2021

Für alle, die Abenteuer in Kälte und Eis lieben und gerne mehr über unsere Erde wissen wollen, seien zwei spannende Bücher über die Nordpolarforschung empfohlen:

Markus Rex: „Eingefroren am Nordpol – Das Logbuch von der »Polarstern« über die größte Arktisexpedition aller Zeiten“  (Bertelsmann 2020)
und „In Nacht und Eis: Die norwegische Polarexpedition 1893–1896“ von Fridtjof Nansen
Herausgeber Detlef Brennecke    (Verlagshaus Römerweg, 2020)

Wie der Potsdamer Atmosphärenphysiker Markus Rex schreibt, war das Ziel seiner einjährigen Expedition, das „komplexe Räderwerk“ des arktischen Klimageschehens besser zu verstehen. Schließlich sei die Arktis „das Epizentrum des Klimawandels“. Wenn die Gletscher von Grönland und am Nordpol abschmelzen, wird das ganz zweifellos eine riesige Auswirkung auf unser Klima haben.

Rex war der Leiter der Expedition, bei der die „Polarstern“ nach dem Vorbild der „Fram“ (s.u.) während der arktischen Winternacht monatelang an „ihrer“ Heimat-Eisscholle festgefroren war. Sein Bericht „Eingefroren am Nordpol“ beschreibt eindringlich und mitreißend die bislang größte Arktisexpedition überhaupt: die Forschungsarbeit, die Schönheit der Polarnacht, das Leben an Bord und nicht zuletzt auch die Begegnungen mit neugierigen Eisbären.

Der Deutschlandfunk urteilt: „Markus Rex‘ Enthusiasmus steckt beim Lesen des Buchs einfach an. Geschickt verbindet er sachliche Eintragungen in sein Logbuch mit persönlichen Erlebnissen, Abenteuern und der Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse.“

Der zweite Expeditionsbericht, den wir empfehlen, liegt in einer Neuauflage in Buchform vor oder ist im Internet gratis zu lesen unter   https://www.projekt-gutenberg.org/nansen 
Fridtjof Nansen: „Durch Nacht und Eis“, Band 1-3

Als Nansen Forschungsschiff „Fram“ im Juni 1893 Christiana, das heutige Oslo, verließ, ging es dem Forscher nicht so sehr darum, den Nordpol zu erreichen, sondern zu beweisen, dass es eine transpolare Eisdrift gibt vom Polarmeer nördlich Sibiriens Richtung Westen nach Spitzbergen und Grönland, und zu schauen, ob sich dort unbekanntes Land verbirgt. Außerdem konnte Nansen beweisen, dass der Nordpol nicht aus einer Landmasse besteht wie die Antarktis. Nansens Expedition war ein Unterfangen am Rande des damals Machbaren. Die „Fram“ war nach Nansen Plänen eigens dafür konstruiert worden, dass sie im Eis einfriert, ohne zu zerbersten. Das Schiff sollte vom Eis hochgehoben und „transportiert“ werden. An Bord waren 13 Männer, ihr Proviant war auf  fünf Jahre ausgelegt. Am meisten gefürchtet war die Krankheit Skorbut. Aber natürlich stellte die Kälte (zeitweise um minus 40 Grad) eine große Bedrohung dar, besonders weil die Kleidung damals noch ganz anders war als heute. Nansen revolutionierte die Techniken des polaren Reisens und beeinflusste damit alle weiteren Expeditionen zu Nord- und Südpol. Doch er war nicht nur Wissenschaftler, sondern auch ein glänzender Erzähler. Deshalb ist es auch heute noch ein Erlebnis, sein Buch „Durch Nacht und Eis“ zu lesen und die phantastischen Fotos anzuschauen.

Einen anderen spannenden Forschungsbericht „Auf Schneeschuhen durch Grönland“ schrieb Nansen, nachdem er 1890 / 91 als erster mit einer Gruppe von nur sechs Männern das Inlandeis von Grönland durchquert hatte.   (siehe Projekt Gutenberg)

Der Norweger Fridtjof Nansen (1861-1930) war Zoologe, Professor der Universitäten Bergen und Oslo, Polarforscher, Philanthrop und Staatsmann. Unter anderem trat er vehement für die Unabhängigkeit Norwegens von Schweden ein (1905), war kurzzeitig Botschafter Norwegens in London und setzte sich gegen Ende des 1.Weltkriegs für die Versorgung der hungernden norwegischen Bevölkerung, aber auch für Hungerhilfe in der Sowjetunion ein.
Er engagierte sich für Vertriebene in Kleinasien (Griechen, Türken, Armenier). Beim 1920 gegründeten Völkerbund kümmerte er sich um Kriegsflüchtlinge und führte für sie den „Nansen-Pass“ ein. Für seine Verdienste um die internationale Flüchtlingshilfe erhielt er 1922 den Friedensnobelpreis. Das Preisgeld spendete er der Flüchtlingshilfe. Am 13. Mai 1930 starb Fridtjof Nansen in seinem Haus am Oslofjord. Sein Sarg wurde am 17. Mai, dem norwegischen Nationalfeiertag, in einem Staatsakt am Portal der Universität Oslo aufgebahrt.